Teufels-Austreibungen sind alltäglich
Siegener Zeitung, 11.11.2009
Teufelsaustreibungen sind alltäglich
Das Erzbistum in Paderborn genehmigte drei Fälle
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mari Olpe. „Exorzismus ist kein Phänomen des Mittelalters. Teufels- und Geisteraustreibungen kommen häufiger vor, als die meisten Menschen annehmen oder anzunehmen bereit sind. Fast jeden Tag finden in Deutschland solche Rituale statt. Innerhalb der Katholischen Kirche, in Freikirchen, anderen Religionen, Sekten und der Esoterikszene.“ Marcus Wegner weiß, wovon er spricht. Er hat zwei Jahre lang im gesamten Bundesgebiet zu diesem Thema recherchiert und seine erschreckenden Ergebnisse in einem Buch zusammengetragen. Der Titel: „Exorzismus Heute - der Teufel spricht Deutsch“.
So referierte der in Olpe aufgewachsene und in Freudenberg lebende Journalist auf Einladung der Katholischen Bildungsstätte Olpe (KBS) zu diesem brisanten Thema: In Altenkleusheim sollen vor vielen Jahren hunderte von Teufelsaustreibungen betrieben worden sein. Aber auch gegenwärtig gebe es im Kreis Olpe und im benachbarten Kreis Siegen-Wittgenstein Extremfälle. Wegner berichtete von einer freikirchlichen Gemeinde in der Nähe von Siegen. Dort hätten der Pastor und Mitglieder kleinen Kindern den von ihnen selbst diagnostizierten Teufel ausgetrieben, was zu schweren gesundheitlichen Folgen für die Kinder geführt habe. Ein dreijähriger Junge sei diesem schlimmen Ritual ausgesetzt worden, nur weil er genascht hatte.
Der Autor führte in der KBS sensibel ausgewählte Filmausschnitte und Original-Töne von Teufelsaustreibungen vor. Beim Ritual verfielen die „Besessenen“ in eine körperliche Starre, ihre Gesichtszüge veränderten sich in erschreckender Weise und sie wehrten sich mit verzerrten Stimmen gegen die Gebete. Ebenso lieferte Wegner Aussagen von Priestern, Exorzisten und „Besessenen“. Bei seinen Recherchen ist es dem Autor gelungen, eine Kopie einer Teufelsaustreibung zu erhalten, die an Anneliese Michel vorgenommen wurde. Ihre Geschichte mit Todesfolge im Jahr 1978 - sie wog nur noch 31 Kilo - erregte großes Aufsehen, weil zwei katholische Priester an ihr den so genannten „Großen Exorzismus“ vollzogen. Ihr Tod wurde seinerzeit als Sühnetod angesehen. Seitdem gibt es seitens der Katholischen Kirche in Deutschland offiziell keine Exorzismen mehr.
Vor einigen Jahren wurde Marcus Wegner eines Besseren belehrt. Eine Frau erzählte ihm, dass ihr in einem Fachwerkhaus im Raum Lennestadt schon mehrfach der Teufel ausgetrieben worden sei. Sie nannte ihm Priester und Exorzisten. Er ging der Sache nach und fand Bestätigung. Es werde fast täglich exorziert. Nur dass heute alles eher im Geheimen stattfinde. 22 Bistümer aus dem Bundesgebiet erklärten auf seine Umfrage, dass es innerhalb ihrer Gebiete keinen Exorzismus gebe. Nur das Erzbistum Paderborn habe eingeräumt, in den vergangenen neun Jahren drei Austreibungen genehmigt zu haben. Dass das Thema .Exorzismus nach dem Tod von Anneliese Michel von der Kirche mit Zurückhaltung behandelt worden sei, bestätigte Dechant Friedhelm Rüsche im Gespräch mit der SZ. Er könne jedoch nicht ausschließen, dass Exorzismus betrieben werde, auch in heimischen Gefilden. Inzwischen ist das Thema jedoch wieder mehr in den Blickpunk gerückt. So hat der Vatikan im Jahr 1999 neue Richtlinien dahingehend erwirkt, die Teufelsaustreibung in geordnete Bahnen zu lenken und Erkenntnisse aus Medizin und Psychologie stärker zu berücksichtigen. Am 5. März genehmigte er die deutsche Übersetzung. Jeder Exorzismus muss danach vom zuständigen Bischof genehmigt und von einem geeigneten Priester - der Vatikan führt dieserhalb Schulungen durch - vorgenommen werden. Der Exorzist soll sich im Zweifel mit Ärzten und Psychologen beraten. Im Vordergrund steht der Heilungsdienst.
Friedhelm Rüsche ist seit 14 Jahren Pfarrer in Olpe. Wie er sagt, weiß er nichts von solchen Ritualen in der Region und musste sich bislang noch keiner Bitte auf Austreibung stellen. Im gegebenen Fall würde er den Bittsteller jedoch an die Diözese verweisen, wo es entsprechende Experten gebe. Er selbst würde sich ohne Kompetenz in der besagten Sache nicht in dieses Fahrwasser begeben.
Siegener Zeitung, 11.11.09, S. 9





























