Vatikan billigt deutsche Übersetzung...
05. März 2009,
Katholische Internationale Presseagentur (kipa),
Agence de Presse Internationale Catholique (apic)
Vatikan billigt deutsche Exorzismus-Übersetzung
(Kipa) Die Vorgaben für die kirchliche Praxis des Exorzismus liegen jetzt auch in deutscher Übersetzung vor. Der Vatikan habe die deutsche Übersetzung des "Rituale für den Exorzismus" genehmigt, teilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Donnerstag, 5. März, zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe in Hamburg mit. Die 68 Bischöfe diskutierten zugleich eine erläuternde Handreichung, die parallel veröffentlicht werden soll.
1999 hatte der Vatikan neue Richtlinien vorgelegt, um stärker die Erkenntnisse der Medizin und Psychiatrie zu berücksichtigen. Die 90-seitige Sammlung von Gebeten, Segens- und Beschwörungsformeln ersetzte eine Fassung von 1614. Mit den jetzt auch ins Deutsche übersetzten neuen Richtlinien bemüht sich die katholische Kirche, die Teufelsaustreibung in geordnete Bahnen zu lenken.
Jeder Exorzismus muss danach vom zuständigen Bischof genehmigt und von einem "geeigneten Priester" vorgenommen werden; der Exorzist soll sich im Zweifel mit Ärzten und Psychologen beraten. Im Vordergrund steht der Heilungsdienst.
Bitte an Gott
Die katholische Kirche versteht unter dem Begriff Exorzismus eine Bitte an Gott, den Menschen von der Macht des Bösen zu befreien. Der Exorzismus kann auch einen im Namen Jesu Christi an den Teufel gerichteten Befehl umfassen, den Betroffenen zu verlassen. Die Vollmacht zum Vollzug des Exorzismus leitet die Kirche aus dem Neuen Testament ab. Vorbild sind die Dämonenaustreibungen Jesu.
Der Exorzismus besteht aus Gebeten sowie Segens- und Beschwörungsformeln. In einfacher Form wird er bei der Taufe vollzogen. Der sogenannte feierliche oder "Grosse Exorzismus" darf laut dem Kirchenrecht von 1983 nur nach Genehmigung des zuständigen Bischofs von einem geeigneten Priester vorgenommen werden.
Exorzismus und Teufelsaustreibung
Berichte über Teufelsaustreibungen in mehreren deutschen Bistümern hatten im vergangenen Jahr für erhebliches Aufsehen gesorgt. Mehrere bayerische Bistümer erklärten in Reaktion auf Medienberichte, dass "Grosse Exorzismen" bei ihnen seit vielen Jahren nicht genehmigt worden seien. Das Erzbistum Paderborn berichtete von drei offiziell genehmigten Exorzismen in den vergangenen neun Jahren. Münchens Erzbischof Reinhard Marx gab die Ausarbeitung eigener diözesaner Regeln in Auftrag.
Die Ausübung des Exorzismus ist auch in der katholischen Kirche umstritten. Der Frankfurter Jesuit und Neurologe Ulrich Niemann plädierte im vergangenen Jahr für einen weitestgehenden Verzicht auf die Praxis des "Grossen Exorzismus" in Deutschland. Menschen, die sich als besessen erfahren, litten unter psychischen Störungen; ihnen könne man mit anderen Seelsorge-Möglichkeiten und medizinischer Behandlung helfen, sagte er. Der Ordensmann wandte sich aber dagegen, das Ritual des Exorzismus generell abzuschaffen.
Mediales Interesse
In anderen soziokulturellen Rahmen könnten beschwörende und fürbittende Gebete durchaus angemessen sein - etwa in Afrika oder Lateinamerika. Der Fall der nach etlichen Exorzismen gestorbenen Studentin Anneliese Michel aus Klingenberg hatte 1976 grosses Aufsehen erregt; er lieferte den Stoff für mehrere Spielfilme. Zwei damit vom Bischof beauftragte Seelsorger wurden 1978 wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt; Bischof Josef Stangl trat daraufhin zurück. Die Verstorbene und ihre Familie hatten sich ärztlicher Hilfe verweigert und allein auf das kirchliche Ritual vertraut.
In diesem Monat erscheint im Gütersloher Verlagshaus ein Buch mit dem Titel "Der Teufel spricht Deutsch - Exorzismus heute". Autor Marcus Wegner behauptet darin, dass es auch heute noch fast jeden Tag in Deutschland Versuche gibt, Teufel und Dämonen auszutreiben. Das geschehe innerhalb der katholischen Kirche, aber auch in evangelischen Freikirchen, Sekten und esoterischen Kreisen.
(kipa/b/gs)





























