Gelbe Karte:
Drohungen und Attacken: Gelbe Karte
Hier sind neben staatlichen auch freie und unabhängige Medien präsent – die jedoch in ihrer Berichterstattung eben wegen ihren oft kritischen Arbeit zuweilen stark unter Druck geraten. So werden einzelne Journalisten und deren Familien bedroht, Medienleute werden zusammengeschlagen oder gar ermordet. Diese Gefahr geht aus von staatlichen Stellen und örtlichen Behörden wenn über Korruption, Machtmissbrauch und Willkür berichtet wird. Aber auch von denen, die Beiträge zu Menschen-, Drogen- oder illegalem Autohandel verhindern wollen. Aus Angst zensieren Journalisten sich häufig selbst, sie greifen diese „sensiblen“ Themen gar nicht mehr auf. Elfenbeinküste, Mexiko, Ukraine, Togo, Brasilien, Ghana, Paraguay, Argentinien, Serbien-Montenegro, Angola, Ecuador.
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
In dem westafrikanischen Land sind die Medien mit zahlreichen Schwierigkeiten konfrontiert. Seit Beginn des Bürgerkrieges 2002 ist das Land geteilt in den von Rebellen besetzen Norden und den von Präsident Gbagbo kontrollierten Süden. Beide Seiten üben Druck auf die Medien aus, um die Berichterstattung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Viele Journalisten sehen sich hilflos einer übermächtigen politischen Gewalt gegenüber, die bereits seit vielen Jahren das Land destabilisiert. Die Reaktionen hierauf sind unterschiedlich:
Manche Journalisten beugen sich dem politischen Druck, andere versuchen, trotz der Gefahren über regierungskritische Themen zu berichten. Mitunter erhalten sie Todesdrohungen und werden so in den Untergrund oder ins Exil gedrängt. Der französisch-kanadische Journalist Guy-André Kieffer, der über Veruntreuung von Geldern im Kakao-Handel recherchierte, wurde im April 2004 entführt. Er ist bis heute verschwunden. Die Elfenbeinküste steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 114.
Mexiko:
Mexiko
Kein Land in Lateinamerika ist derzeit gefährlicher für Journalisten: Zwei wurden im März ermordet, zwei weitere im vergangenen Jahr, ein dritter ist seit April 2005 spurlos verschwunden. Sie recherchierten und berichteten über Drogenhandel und Korruption. Die Täter sind bis heute nicht gefasst. Viele Journalisten zensieren sich daher aus Angst vor der Gewalt selbst und vermeiden sensible Themen. Organisiertes Verbrechen und korrupte lokale Behörden sind die größten Gefahren für eine freie Berichterstattung – vor allem entlang der Grenze zu den USA. Mexiko steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 135.
Ukraine:
Ukraine
Dank der „Orangenen Revolution“ hat sich die Lage der Pressefreiheit im vergangenen Jahr in dem osteuropäischen Land verbessert. Es gibt dort keine Zensur mehr. Dennoch erhalten Journalisten häufig Drohungen und werden noch immer Opfer von Gewalt: Wer etwa über Korruption oder Unterschlagung berichtet, riskiert, zusammengeschlagen zu werden. Drei Hauptverdächtige wurden für den Mord an dem Journalisten Georgy Gongadze aus dem Jahr 2000 angeklagt. Das Urteil steht noch aus. Die Hintermänner sind noch immer nicht bekannt. Die Ukraine steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 112.
Togo:
Togo
Die Lage der Pressefreiheit in dem westafrikanischen Land hat sich in den vergangenen Jahren verbessert: Todesdrohungen und Restriktionen gegenüber Medienleuten haben abgenommen und es gibt keine Gefängnisstrafe mehr für Pressevergehen. Doch noch immer reagiert die Regierung sehr empfindlich auf Kritik und Journalisten laufen nach wie vor Gefahr, wegen ihrer Berichte tätlich angegriffen zu werden. Selbstzensur ist ein häufig gewählter Weg, um diesen Gefahren zu entgehen. Togo steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 95.
Brasilien:
Brasilien
In dem südamerikanischen Land sind Journalisten und Medienmitarbeiter vor allem außerhalb der Metropolen oft Zielscheibe von Übergriffen. Besonders riskant ist es, über Themen wie Korruption und Machtmissbrauch zu berichten. So wurde im letzten Jahr ein Journalist erschossen, der zuvor ein Attentat überlebt und über Korruption berichtet hatte. Ein weiterer Journalist wurde schwer verletzt, auch er hatte über die Machenschaften örtlicher Politiker geschrieben. Andere wurden aufgrund ihrer investigativen Recherchen von Behörden bedroht oder festgenommen. Brasilien steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 63.
Ghana:
Ghana
Ghana zählt zu den afrikanischen Ländern, die die Pressefreiheit am meisten akzeptieren. Medien können uneingeschränkt berichten; vereinzelt jedoch erhalten Journalisten Drohungen von Lokalpolitikern oder werden belästigt, an der Arbeit gehindert oder gar tätlich abgegriffen. Ghana steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 66.
Paraguay:
Paraguay
Im vergangenen Jahr sind mehrere Medienbüros infolge von Bombenanschlägen abgebrannt oder von Behörden geschlossen worden. Dies traf vor allem ländliche Radiostationen, die an örtlichen Beamten Kritik geübt hatten. Seit Beginn dieses Jahres kehrt die Gewalt gegen Journalisten zurück: So wurde im Februar auf Juan Augusto Roa von der Tageszeitung ABC Color geschossen; er blieb unverletzt. Augusto recherchierte über Korruption sowie illegalen Drogen- und Autohandel. Ebenfalls im Februar verschwand der Journalist Enrique Galeano von Radio Azotey. Die Behörden haben die Untersuchungen bereits eingestellt. Paraguay steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 69.
Argentinien:
Argentinien
In dem südamerikanischen Land ist das Verhältnis zwischen Regierung und Medien angespannt. Denn Präsident Kirchner übt über das Schalten von Anzeigen Druck auf redaktionelle Inhalte aus. Medienvertreter kritisieren zudem, dass die Regierung nur sehr wenig Information herausgibt und bei offiziellen Reisen manche Journalisten nicht einlädt. Daneben ist die Situation der Medien in den Provinzen schwierig: hier werden Journalisten immer wieder durch die Behörden an ihrer Arbeit gehindert. Zudem werden sie bedroht, verfolgt oder sogar zusammengeschlagen, ohne dass dies für die Täter rechtliche Konsequenzen hat. Argentinien steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 59.
Serbien-Montenegro:
Serbien-Montenegro
2005 war in Serbien-Montenegro kein gutes Jahr für die Pressefreiheit: ein Journalist wurde erschossen, einer von Unbekannten brutal zusammengeschlagen und vier weitere erhielten Todesdrohungen. Keines dieser Verbrechen ist bislang aufgeklärt worden. Aus Angst zensieren sich viele Journalisten nach wie vor selbst. Daneben untergräbt ein neues repressives Pressegesetz die Unabhängigkeit der Fernsehsender. Serbien-Montenegro steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 65.
Angola:
Angola
Die Medien können relativ frei berichten; doch der Opposition nahe stehende Zeitungen und Sender werden genau beobachtet. Journalisten laufen auch immer wieder Gefahr, wegen ihrer Arbeit bedroht oder attackiert zu werden. Angola steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 76.
Ecuador:
Ekuador
Der Sturz von Präsident Lucio Gutiérrez vom April 2005 hat sich negativ auf die Sicherheit von Medienleuten ausgewirkt. So kam der chilenische Fotograf Julio Augusto García ums Leben, als er eine Demonstration fotografierte, auf der Gutiérrez Rücktritt gefordert wurde. Die Büros des Radios La Luna, das Gutiérrez sehr kritisch gegenüber stand, wurden zweimal verwüstet; außerdem wurde auf das Gebäude geschossen. Demonstranten, die gegen den neuen Präsidenten Alfredo Palacio protestierten, verprügelten Daniela Kraemer, Korrespondentin der spanischen Zeitung El Pais. Auch die neue Regierung übt starken Druck auf die Medien aus. So sind Telefone abgehört und Journalisten bedroht worden. Ecuador steht auf der ROG-Rangliste der Pressefreiheit auf Platz 87.




























