Erste Bemühungen
Über die Geschichte des ältesten Priesterspätberufenenseminars Deutschland
|
2. Kapitel: Erste Bemühungen |
In Allagen an der Möhne erhielt Bernhard Zimmermann gemäß bischöflicher Order seine erste Vikarsstelle. Besonders lag ihm die Jugend am Herzen und er versammelte alle Jugendlichen, die nicht in den Krieg mussten, in einem von ihm gegründeten, der DJK ähnlichen Verband. Auch eine Kolpingfamilie und einen Mütterverein rief er ins Leben. In der Filiale Niederbergheim legte er den Grundstock zur Erweiterung der Kirche. Immer wieder aber beschäftigte ihn der Gedanke an ein Seminar für Spätberufene, um jenen jungen oder auch älteren Menschen, denen es nicht so wie ihm ergehen sollte, Hilfestellung auf dem Weg zum Priestertum zu bieten. Die kirchliche Behörde in Paderborn äußerte jedoch starke Bedenken, da man einen gewissen Priesterüberhang hatte. Zimmermann mit seinem westfälischen Dickkopf ließ sich nicht beirren und annoncierte im Kolpingblatt und anderen Medien für die gute Idee und erhielt Anfragen von 150 jungen Männern aus ganz Deutschland. Auf dem Weg nach Belecke, wo Zimmermann Schulunterricht erteilte, kam er fast täglich an der uralten Kreuzkapelle aus dem 13. Jahrhundert vorbei, die direkt neben einem leerstehenden ehemaligen Gasthaus stand. Auf Nachfrage erhielt er die Erlaubnis, das Wirtshaus samt Nebengebäuden für zehn Jahre zu pachten. Fünf Jahre später war Zimmermann schon Eigentümer.
Am Fest Kreuzerhöhung, 3. Mai 1922, wurde in einem feierlichen Gottesdienst unter Teilnahme der Geistlichkeit und vieler Gläubigen aus der Umgebung das „Studienheim St. Klemens“ feierlich eingeweiht. Die ersten acht Schüler waren bereits eingetroffen und leisteten Ministrantendienste. Das Lehrpersonal bestand aus einem Ruhestandsgeistlichen, Zimmermann selbst und einem befreundeten Vikar. Im Laufe der Jahre wurden fünf Lehrer hauptamtlich angestellt. Zu Ostern 1924 betrug die Schülerzahl schon 54, wobei inzwischen Scheune, Heuboden, Hühnerstall und eine baufällige Kegelbahn zu Wohn- bzw. Klassenräumen umfunktioniert wurden. Alles in Eigenarbeit von den Schülern, wobei Rektor Zimmermann auch Hand anlegte. Nach einem Jahr des Bestehens kam der Bischof von Paderborn und hielt eine Ansprache, die aber nicht den gewünschten Zuspruch der Schüler fand. Zimmermann mahnte:„Wir müssen erst einmal zeigen, was wir sind und was wir können, ehe der Bischof uns Lob spendet!“ Dieses Lob ließ nicht lange auf sich warten, als der Generalvikar kurze Zeit später dem Rektor und seinen Mitarbeitern Anerkennung für die geleistete Arbeit aussprach. Vom eigens gegründeten Hilfswerk für Priesterspätberufe wurde eine Zeitschrift mit dem Titel: „Im Heerbann Christi“ herausgegeben und von den Schülern über 70.000 sogenannten Bausteinbildchen verkauft. Sehr schnell verbreitete sich das Anliegen des Werkes in ganz Deutschland. Ein großer Freudentag war die erste Abiturprüfung im Jahre 1926, bei der alle vier Schüler Erfolg hatten, von denen später drei die Priesterweihe erhielten. Als immer mehr Anfragen Spätberufener aus dem süddeutschen Raum wegen Platzmangels negativ beschieden werden mussten, trat Bernhard Zimmermann mit dem Aschaffenburger Dekan Hufgard in Verbindung und gründete ebenfalls 1926 das zweite Heim in einer alten, jedoch großen Möbelfabrik, die nunmehr als Schule fungierte. Zahlreiche Spenden und Hilfen wurden dieser Zweigstelle zuteil und viele Spätberufene erreichen hier ihr Ziel. Als Dekan Hufgard aus Gesundheitsgründen die Leitung nicht mehr wahrnehmen konnte, wurde das Klemensheim in Aschaffenburg nach fast zehn Jahren des Bestehens 1935 geschlossen. >>>weiter...




























