Filterlos

... alle, die nicht abschalten können!

Das Radio hat besonders nachts eine soziale Funktion: Der Hörer fühlt sich nicht mehr allein im Raum. Das Telefon kann ein Schritt zur Problembehandlung sein: „Für viele ist es besser zu reden, als allein vor sich hinzubrüten.“ Die Hemmschwelle beim Massenmedium Radio ist viel geringer als z. B. beim Fernsehen: Der Anrufer bleibt einigermaßen anonym. Der Hörer kann in den Moderator viel hineinprojizieren: Kommunikation wird dadurch erleichtert.

Bei "FILTERLOS" gab es einen wichtigen Grundsatz: Jeder Anrufer ging (quasi) ungefiltert auf Sendung. Es konnte über jedes Thema geredet werden, d. h. die Talkline ging nicht wegen ihrer selbst „on air“, sondern wurde wegen der Anrufer produziert, denn ein Talk-Radio lebt vom Gespräch: "Wer nichts sagt, fliegt aus der Leitung." Als Serviceangebot galt die Vermittlung von Adressen zu brisanten Themen (Sexualität, Aids, Sucht, Gewalt, Kirche, u.v.m.). Wenn es gewünscht wurde, stellte die Redaktion Kooperationen mit bundesweiten, aber auch regionalen Verbänden und Selbsthilfegruppen her. "Filterlos... Die Talkline für alle, die nicht abschalten können" gehört heute zur Rundfunkgeschichte. Im Dezember 2001 löste sich die Reaktion auf. Die sächsische Radiolandschaft wurde - ohne es wirklich zu bemerken - ärmer.