Geschichte der TU Dresden

"Am 1. Mai 1828 erfolgte die Gründung der TU Dresden vorerst als Technische Bildungsanstalt in noch recht bescheidenem Maßstab. Wesentlichen Einfluss auf die Einrichtung der Bildungsanstalt hatten die Kgl. Landes-, Ökonomie- und Kommerziendeputation und die Hauptdirektion der Ökonomischen Gesellschaft. Besonders die sächsischen Unternehmer erwarteten von der neuen Institution vielfältige Beiträge für technische Innovationen in Sachsen. Während der Gründungsveranstaltung unterstrich Kabinettsminister Graf von Einsiedel die Bedeutung der Bildungsanstalt vor allem für die Entwicklung des sächsischen Maschinenbaus, der durch gut ausgebildete Absolventen international konkurrenzfähig gemacht werden sollte.
Im Jahre 1851 avancierte die Technische Bildungsanstalt zur Kgl. Sächs. Polytechnischen Schule, 1871 zum Polytechnikum und 1890 zur Kgl. Sächs. Technischen Hochschule. Im Jahre 1961 wurde aus der Technischen Hochschule Dresden die Technische Universität Dresden.

Die historische Entwicklung der Hochschule ist eng verbunden mit der sächsischen Wirtschaft, insbesondere mit der exportorientierten Fertigwarenindustrie. Von der Hochschule gingen vielfältige Impulse für Innovationen in allen Zweigen der sächsischen Industrie aus. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Hochschule ein hohes internationales Ansehen erlangt, was sich nicht zuletzt in dem hohen Anteil ausländischer Studierender widerspiegelte. Ihr Anteil betrug bis zu 30 Prozent. Für die internationale Ausstrahlung der Hochschule standen Gelehrtenpersönlichkeiten und Initiatoren wissenschaftlicher Schulen wie Gustav Zeuner (1828-1907) und Richard Mollier (1863-1935) für den Maschinenbau sowie Rudolph Wilhelm Schmitt (1830-1898), der vor allem für die pharmazeutische Industrie Bahnbrechendes geleistet hat.

Ein Charakteristikum der Geschichte der TU Dresden waren mehrere Eingliederungen zum Teil international renommierter Hochschuleinrichtungen, wie der traditionsreichen Forstlichen Hochschule Tharandt im Jahre 1929 und der Medizinischen Akademie "Carl Gustav Carus" 1993, deren Wurzeln auf das 1748 gegründete Collegium medico-chirurgicum zurückreichen.
Seit der Jahrhundertwende gab es Bestrebungen, die Hochschule zu einer Universität zu entwickeln. Traditionell wurden geistes- und sozialwissenschaftliche Disziplinen als Ergänzung zur technik- und naturwissenschaftlichen Ausbildung gelehrt. Zu den Traditionen der Hochschule gehörte die Ausbildung von Lehrern für verschiedene Schultypen. Seit den zwanziger Jahren wurden auch Volksschullehrer an der Hochschule ausgebildet. Ebenfalls in dieser Zeit erfolgte die Einrichtung des wirtschaftswissenschaftlichen Fachstudiums.
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten war mit der raschen Gleichschaltung der Hochschule verbunden. Wissenschaftler jüdischer Herkunft wurden ebenso vertrieben wie offene und vermeintliche Gegner des Nationalsozialismus. Am 13. Februar 1945 fielen auch die meisten Gebäude der Hochschule den Angriffen auf Dresden zum Opfer. Nach 1945 wurden sie relativ rasch wieder aufgebaut und insbesondere während der fünfziger und sechziger Jahre erweitert. Wissenschaftler von Weltruf, wie der Mitbegründer der Schwachstromtechnik Heinrich Barkhausen (1881-1956) und Kurt Beyer (1881-1952), einer der international renommiertesten Bauingenieure, retteten den hervorragenden internationalen Ruf in einer Epoche, in der Lehre und Forschung zunehmend in wissenschaftsfremde politische Abhängigkeit geraten waren.
Der Ausbau zur Volluniversität beinhaltet für die TU Dresden den Anspruch, in Lehre und Forschung binnen weniger Jahre zum Spitzenfeld akademischer Bildungseinrichtungen vorzustoßen."

Quelle:
Technische Universität Dresden,
Personen und Vorlesungsverzeichnis WS 01/02,
context-verlag, Deutscher Hochschulverlag 2001,
S. 9. (ISSN 0947-8205)